Hyperhidrosis

Die Diaphorese ist eine natürliche Körperfunktion, die für die Regulierung der Körpertemperatur notwendig ist. Ein Mensch besitzt etwa 2-3 Millionen Schweißdrüsen, und auf 1cm2 entfällt durchschnittlich 300 Schweißdrüsen. Der menschliche Körper sondert von mehreren Milliliter bis zu mehreren Litern Schweiß pro Tag ab. Der menschliche Organismus muss die erzeugte Wärme über den Schweiß nach außen abgeben, weil es im entgegengesetzten Fall zur gesundheitsschädigenden Überwärmung des Organismus kommen könnte. Die Termoregulationsfunktionen der Schweißdrüsen werden vom sypathischen Nervensystem gesteuert, indem die Schweißdrüsen durch die cholinergischen postsynaptischen Fasern versorgt werden.

Ursachen der Hyperhidrosis:

1) physiologische:
  • warmes Klima, hohe Luftfeuchtigkeit
  • ungewohnte, schwere körperliche Anstrengungen
  • Nervosität, Angst, Stress, Anspannung
  • Einnahme scharfer Gewürzen, der Schokolade sowie einiger schweißtreibenden Genußmittel wie starker Tee und Kaffee
  • Fettsucht
1) symptomatische:
  • hormonale Störungen (Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes mellitus)
  • neurologische Krankheiten (Ross-Syndrom, aurikulotemporales Syndrom Neuropathien)
  • Krankheiten mit hohem Fieber, Tuberkulose
  • Menopause-Beschwerden bei Frauen, Andropause-Beschwerden bei Männern
  • einige von den Neubildungen (z.B. Nebennierentumor – Phäochromozytom) mit erhöhter Katecholaminproduktion
  • idiopathische – etwa 60%

Die von der Hyperhidrosis betroffenen Körperteile sind folgende: die Achselhöhlen, die Palma, die Füße sowie der gesamte Körper.

Aus dem oben Dargestellten kann ausgeschlossen werden, dass bestimmte Formen der Hyperhidrosis beeinflußt werden können, jedoch kommen auch solche vor, die man auf keinem Fall eliminieren kann. Zu der als letztgenannten Form gehört die idiopathische Hyperhidrosis. Die Medizin hat aber ein Mittel dagegen gefunden: Durch das Botulinumtoxin werden die Schweißdrüsen blockiert. Die Behandlungsmethode gilt als ausgezeichneteste und effektivste, der größte Vorteil dieser Methode besteht darin, dass Nebenwirkungen nicht ins Gewicht fallen. Nur eine Injektion reicht aus, dass der Erfolg für einige Monate bleibt. Der Nachteil dieser Methode besteht dagegen darin, dass die Wirkung zeitlich begrenzt ist, d.h. nicht die Ursachen, sondern die Symptome werden geheilt. Die Methode ist die einzige und deshalb erwies und erweist sie sich als die beste.

Durch die Hiperhidrosis bedingte Probleme

Obwohl die Diaphorese die lebensnotwendige Stoffwechselreaktion des Körpers ist, bereitet die Hyperhidrosis erhebliche Probleme. Die Erkrankung führt zum Schamgefühl und zur Velegenheit, was die Einschränkung bzw. Vermeidung der persölnichen Kontakten mit anderen Menschen zur Folge hat. Wegen Hyperhidrosis bleiben einige Berufe verwehrt oder ihre Ausübung ist (z.B. in einem Labor bei der Arbeit mit chemischen Reagens) erschwert. Die unter Hyperhidrosis leidenden Meschen wissen am besten, welche Probleme diese Erkrankung im Alltag mit sich bringt, insbesondere dadurch, dass ihr der wegen bakterieller Schweißzersetzung gebildete Geruch begleitet. Methoden wie Handwäsche und Antitranspirantien reduzieren den Schweiß für einige Zeit.

Erkennung von Hyperhidrosis

Zur Diagnosestellung reichen in der Regel die anamnestischen Angaben aus. Die ausführliche Anamnese hilft festzustellen, insofern die Erkrankung für den Organismums belastend ist sowie welche Kontraindikationen berücksichtigt werden sollen. Es gibt viele Methoden zur Messung des übermäßigen Schwitzens (unter anderem gravimetrische, hydrometrische, farbmetrische); zur Diagnosose eignet sich jedoch am besten in der Praxis der Schweißtest nach Minor, d.h. Jod-Stärke-Reaktion. Beim Schweißtest nach Minor wird der betroffene Bereich erst mit einer jodhaltigen Lösung befeuchtet und dann mit Stärkepulver bestäubt. Im Areal der vermehrten Schweißsekretion kommt es zu einer dunklen Verfärbung. Je größer die Schwitzneigung ist, desto stärker ist die Verfärbung. Der Schweißtest nach Minor ist völlig schmerzlos. Es gibt Fälle, wenn dieser Test nicht notwendig ist, weil die Anamnese und eine kurze Beobachtungszeit des Patienten ausreichend sind, um weitere Behandlungsmaßnahmen zu ergreifen.

Behandlung der Hyperhidrosis

1) allgemeine Empfehlungen:
  • Hygiene, Kräuterbäder der Handflächen und der Füße (Eichenrinde, Minze, Blätter des Walnußbaumes, Salbei, Kamille, Birkenrinde) – zwei mal pro Woche 30 Minuten lang einweichen
  • leichte Bekleidung aus Naturfasern
  • häufiger Schuhe- und Bekleidungswechsel
  • Vermeidung von Kaffee, Alkohol und scharfen Gewürzen
  • Verminderung von Stress, Anspannung und Angst
  • häufige Lüftung des Arbeitsplatzes

2) Antitranspirantien mit dem Hauptwirkstoff Aluminiumchlorid – zu einiger Zeit hemmen sie die Schweißsekretion. Zu Beginn der Therapie werden die Antitranspirantien vor dem Zubettgehen aufgetragen, dann schränkt man die Applikation bis zu einmal pro 2-3 Wochen ein. Die Erfolgsquote der Therapie mit Aluminiumchlorid liegt bei 90%, nach geraumer Zeit können leider diese Antitranspiranten die empfindliche Haut reizen.

3) Iontophorese ist eine Behandlung der Hautoberfläche durch die Anwendung einer geringen Stromspannung, die durch Wasser geleitet wird, was dazu führt, dass die Oberflächenproteine in der Haut gerinnen und die Schweißkanäle teilweise blockieren.

4) allgemeine Behandlung:
  • Psychosedativum, anticholinergische Mittel (z.B. Sormoderm, Bellergot)
  • Kräuteraufgüsse (z.B. Salbeitee, Kräutertropfen)
  • homöopathische Arzneimittel

5) Lokalbehandlung ohre chirurgische Eingriffe – interdermale Injektion mit Botulinumtoxin (Botox, Dysport)

Wirkmechanismus

Mittels vieler Injektionen von Botulinumtoxin A - Toxin des Bacteriums Clostridium botulinum - wird die Freisetzung des Nervenüberträgerstoffes von den Nerven, die ekkrine Schweißdrüsen versorgen, auf die Schweißdrüsen gehemmt und diese werden gezielt blockiert. Die Wirkung hält durchschnittlich etwa 6-12 Monate an, danach bilden sich neue nervöse Ausläufer aus, infolge dessen die Schweißproduktion langsam wieder zunimmt und nach einigen Monaten eine Wiederholung der Behandlung erforderlich macht. Die Injektion mit Botulinumtoxin ist die beste, bevorzugste Behandlungsmethode. 80% der Betroffenen spricht auf das Toxin gut an. Bei 20% der unter Hyperhidrosis leidenden Menschen beobachtet man keinen Erfolg oder dieser ist unzufriedenstellend. In diesen Fällen bleibt die Anwendung der Antitranspirantien mit dem Hauptwirkstoff Aluminiumchlorid und der oben genannten Methoden übrig.

Behandlungsverlauf:

Bevor die Behandlung beginnt, müssen mit übermäßgem Schwitzen betroffenen Körperbereiche genau bestimmt werden. Die Areale, die der Injektion mit Botulinumtoxin bedürfen, decken sich deutlich mit den Arealen, auf denen die Schweißtropfen sichtbar sind. Es kommt vor, dass die Identifizierung der schwitzenden Areale erhebliche Probleme bereitet. Deshalb wendet man die Jod-Stärke-Reaktion (der Schweißtest nach Minor) an. Der Schweißtest nach Minor besteht darin, dass der betroffene Bereich erst mit einer jodhaltigen Lösung befeuchtet und dann mit Stärkepulver bestäubt wird. Im gesuchten Areal kommt es zu einer dunklen Verfärbung. Die Bereiche mit der vermehrten Schweißsekretion werden in die Quadraten 1,5x1,5 cm mittels einer Lösung, z.B. Enzianviolett, geteilt.
Die Behandlung besteht in der intrakutanen Injektion kleiner Botulinumtoxin-Menge in jedes Quadrat. Für die meisten Betroffenen ist die Einspritzung minimal schmerzhaft, aber bei den Patienten mit erhöhter Empfindlichkeit kann die Anästhesie zum Einsatz kommen. Die Behandlung an Händen und Füßen verlangt wegen der Schmerzhaftigkeit Anwendung anästhesierenden Mittel. Die Therapie dauert bis zu einigen Minuten, danach kann man wieder tätig sein. Die Wirkung setzt nach einigen Tagen ein und hält meist für mehrere Monate, sogar für ein Jahr (Achselhöhlen), an. Dann ist die Wiederholung der Therapie notwendig.

Nebenwirkungen
  • bis zu einigen Stunden kann der Behandelnde Schmerz spüren
  • bei der Behandlung der übermäßigen Schwitzen der Achselhöhlen wurde fast keine Nebenwirkung beobachtet; zwar tritt ausnahmsweise Juckreiz in den Achselhöhlen auf, er aber nach 1-2 Wochen nicht mehr vor
  • es wurde Ausgleichsschwitzen in anderen Bereichen des Körpers beobachtet, die auch nach einigen Wochen nicht mehr vorkommt
  • bei der Behandlung der palmaren Hyperhidrosis kann die Feinmotorik an den Händen zeitlich gestört werden; es wurde eine vorübergehende Muskelschwäche beobachtet, wobei die Abduktion des Kleinfingers, seltener des Daumens, sowie kräftiger Händedruck deutlich erschwert wurden. Diese Symptome waren aber bei alltäglichen Tätigkeiten kaum störend. Diese Beschwerden sind jedoch z.B. von einem Klavierspieler akzeptabel
  • es besteht geringes Risiko, dass die mit der Grippe Ähnlichkeiten aufweisenden Symptome (Müdigkeit, Körpertemperaturerhöhung, Mukskelschmerz) auftreten. Diese Beschwerden gehen innerhalb einiger Tage zurück.
Kontraindikationen

a) absolute:
  • Störungen der Leitung von Nerven und Muskeln (Myasthenia gravis, Lambert-Eaton- Syndrom)
  • Überempfindlichkeit gegen Präparatzusammenserzung (menschliche Albumine)
  • Einnahme folgender Arzneimittel oder Zeitraum bis zu einer Woche nach der letzten Dosis:
    -Aminoglykoside (Streptomycin, Gentamycin, Amikacin, Kanamycin u.a.)
    -Aminochinolone (Choroquin, Hydroxychloroquin)
    -D-Penizillamin (Cuprenil)
    -Zyklosporine
    -Tubokurarin, Pankuronium, Galamin
    -Succinylcholine
    -Linkomycin, Terazykline, Polymiksin
  • lokale Hautinfektionen
  • Schwangerschaft, Stillzeit
b) fakultative:
  • Blutgerinnungssstörungen
  • Einnahme von Antikoagulantien
  • 6) chirurgische Behandlung:

    - chirurgische Exzision aller Schweißdrüsen in den Achselhöhlen, manchmal sind mehrere Hautschnitte nötig. Immer wird das subkutane Fettgewebe im Achselhöhlenareal exzidiert. Die Erfolgsquote dieser Behandlungsmethode liegt bei 90%, es erhöht sich das Risiko, dass es zur Bildung von den verdickten Narben und zur Bewegungsbeschränkung der Oberarmen kommt. Manche Patienten empfinden nach der Exzision der behaarten Hautfläche Dyskomfort.

    - Sympathektomie besteht in der operativen Durchtrennung von einzelnen Ganglien des sympathischen Nervensystems – zur Zeit findet diese Behandlungsmethode sehr selten Anwendung

    - Schweißdrüßensuktion im Achselhöhlenareal. Mittels dünner Nadel, die ins Unterhautfettgewebe eingeführt werden, können die Schweißdrüsen abgesaugt werden. Die Haut, aus der Fett abgesaugt wurde, wird mit einer speziellen Naht versorgt. Wenn während der Schweißdrüsensuktion nicht alle Schweißdrüsen exzidiert werden, so können sie wegen der Narbenbildung nicht mehr Schweiß absondern. Die behaarte Hautfläche im Achselhöhlenareal bleibt unverändert.